Screening-LCA oder vollständige Studie?

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Die Frage nach der Tiefe der benötigten LCA-Dienstleistung stellt sich vielen unserer Kunden. Es erscheint verlockend, die schnelle und günstige Screening-LCA zu buchen. Doch ist das wirklich zielführend? Wie so oft kommt es auf das Ziel an, das mit der Erstellung der LCA verfolgt wird. Zunächst wird betrachtet, worin sich diese beiden LCAs grundlegend unterscheiden.

Eine Screening-LCA zeigt oberflächlich die Umweltwirkungen eines Produkts, während eine detaillierte Ökobilanz auch die Effekte aufzeigt, die zunächst nicht sichtbar sind.

Screening-LCA

Wie es der Name vermuten lässt, wird hier ein Produkt oberflächlich “gescreent”. Vereinfacht gesagt: Wenn eine vollständige LCA eine Röntgenaufnahme eines Produkts ist, dann ist die Screening-LCA ein (sehr gutes) Foto. Eine Screening-LCA zielt darauf ab, mit vertretbarem Aufwand möglichst aussagekräftige Ergebnisse zu erzielen. Der Fokus liegt hier weniger auf den zeitfressenden Aspekten einer vollen LCA-Studie. Stattdessen soll dem Auftraggeber schnell und übersichtlich dargestellt werden, welche Umweltauswirkungen das Produkt ungefähr hat, und vor allem, welche Komponenten des Produkts oder welche Lebenszyklusabschnitte wahrscheinlich für die größten Umweltwirkungen verantwortlich sind.

Vollständige Ökobilanz nach ISO 14040/-44

Eine komplette LCA nach ISO 14040/-44 beinhaltet weitaus mehr Schritte als die Screening-LCA. Es werden zwar dieselben vier Phasen einer Ökobilanz durchlaufen, allerdings mit deutlich mehr Tiefgang. Eine vollständige und normgerechte Ökobilanz braucht mehr Zeit als eine Screening-LCA, weil mehr Iterationsschleifen durchlaufen werden und mehr Szenarien getestet werden. Häufig werden bei detaillierten LCA-Studien verschiedene Szenarien zur Nutzung des Produkts, zur Entsorgung sowie Vergleiche zu unterschiedlichen Konkurrenzprodukten betrachtet. Jeder einzelne Schritt der Studie wird detailliert in einem umfassenden Projektbericht dokumentiert. Dieser Bericht kann auch als Grundlage für eine spätere kritische Prüfung verwendet werden. Der Prüfer bzw. die Prüferin muss anhand des Berichts jeden Bestandteil der Ökobilanz vollständig und transparent nachvollziehen können, um gegebenenfalls Korrekturen an der Studie vorzuschlagen.

Welches Ziel soll mit der LCA erreicht werden?

Wegen ihrer Oberflächlichkeit ist eine Screening-LCA vor allem als interne Entscheidungshilfe zu verstehen und explizit NICHT für Veröffentlichungen oder Marketingzwecke gedacht, da die inhaltliche Tiefe einer vollständigen LCA fehlt. Es wird also “in Anlehnung an” ISO 14040/-44 gearbeitet. Gewinnbringend lässt sich die Screening-LCA vor allem während der Produktentwicklung einsetzen. Sollen z. B. verschiedene Werkstoffe oder Verarbeitungsverfahren verglichen werden, ist ein schneller Abgleich von Datenbankprozessen durchaus sinnvoll. So können frühzeitig besonders schädliche Komponenten identifiziert werden und die Produktentwickler können entsprechend gegensteuern. 

Eine Screening-LCA für ein Produkt ist oft schon innerhalb weniger Tage bis Wochen fertiggestellt und verursacht in der Regel Kosten im unteren vierstelligen Bereich.

Wenn es dagegen um Compliance für Kunden oder die Erfüllung von Nachweispflichten geht, ist die vollständige LCA das Mittel der Wahl. In Kombination mit einer kritischen Prüfung durch Dritte besteht hier die größtmögliche Sicherheit. Ebenso kann eine verifizierte normgerechte LCA für Werbezwecke verwendet werden, ohne sich dem Vorwurf des Greenwashings auszusetzen.

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