EU-Regulierungen 2026 und danach: Diese Nachhaltigkeitspflichten treffen produzierende Unternehmen
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Neue EU-Verordnungen verändern die Spielregeln für produzierende Unternehmen grundlegend. CSRD, ESPR und EmpCo machen Ökobilanzen und CO₂-Daten von der Kür zur Pflicht. Bei all den unterschiedlichen Regulierungen kann man schnell den Überblick verlieren. Unsere Übersicht zeigt Ihnen, welches Regelwerk wen ab wann trifft und wie CompriseTec Sie unterstützen kann.
Die Europäische Union verschärft ihre Nachhaltigkeitsanforderungen drastisch. Was vor wenigen Jahren noch freiwillig war, wird jetzt zunehmend gesetzliche Pflicht. Für produzierende Unternehmen bedeutet das: Life Cycle Assessments (LCA) und Product Carbon Footprints (PCF) entwickeln sich vom Marketinginstrument zum regulatorischen Muss. Wir stellen drei besonders relevante Regelwerke vor.
CSRD: Nachhaltigkeitsberichterstattung wird Pflicht
Was ist das Ziel der Corporate Sustainability Reporting Directive?
Durch die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) sollen Unternehmen transparent und vergleichbar Informationen zur ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit sowie zu nachhaltiger Unternehmensführung (Governance) veröffentlichen. Verbraucher, Investoren und weitere Stakeholder sollen so eine bessere Grundlage für nachhaltige Entscheidungen bekommen. Die CSRD soll nach und nach für immer mehr Unternehmen gelten.
Wen betrifft die CSRD?
Die CSRD verpflichtet Unternehmen zur detaillierten Nachhaltigkeitsberichterstattung. Sie trat EU-weit bereits 2023 in Kraft. Die Implementierung in den Mitgliedsstaaten läuft zum Teil noch. Von der CSRD sind bereits jetzt Unternehmen betroffen, die dem öffentlichen Interesse unterliegen, also bswp. Banken oder Versicherungen mit mehr als 500 Mitarbeitern.
Die weitere Implementierung soll in Form von drei Wellen erfolgen. Im Rahmen des EU-Omnibus-Packages wurde 2025 die sogenannte „Stop-the-Clock“-Richtlinie beschlossen, welche das Inkrafttreten der CSRD für kleinere Unternehmen nach hinten schiebt. Dadurch bekommen zukünftig betroffene Unternehmen mehr Zeit, sich auf die Vorgaben der CSRD vorzubereiten. Unter Berücksichtigung des Stop-the-Clock-Kompromisses gilt CSRD somit:
Ab 2028 (für Geschäftsjahr 2027): Bilanzrechtlich große Unternehmen, die mindestens zwei dieser Kriterien erfüllen: > 250 Mitarbeiter, > 50 Mio. € Umsatz, > 25 Mio. € Bilanzsumme
Ab 2029 (für Geschäftsjahr 2028): Kapitalmarktorientierte KMU
Welche Pflichten werden entstehen?
Unternehmen müssen nach den European Sustainability Reporting Standards (ESRS) berichten. Das umfasst Scope 1, 2 und 3 der Treibhausgasemissionen – also auch die Emissionen der gesamten Lieferkette. Produktbezogene Umweltdaten werden damit unverzichtbar. Ohne fundierte LCA-Daten lassen sich weder Scope-3-Emissionen berechnen noch glaubwürdige Reduktionsziele definieren.
Wie CompriseTec unterstützt:
Wir erstellen für Ihre Produkte normgerechte Product Carbon Footprints nach ISO 14067, die nahtlos in Ihre CSRD-Berichterstattung einfließen. Durch Corporate Carbon Footprints nach ISO 14064 und GHG Protocol decken wir alle drei Scopes ab – inklusive der komplexen Scope-3-Berechnungen entlang Ihrer Lieferkette.
ESPR: Der Produktpass kommt
Wen betrifft die ESPR?
Die Ecodesign for Sustainable Products Regulation (ESPR) gilt potenziell für nahezu alle physischen Produkte auf dem EU-Markt. Besonders betroffen sind zunächst:
Eisen-, Stahl- und Aluminiumprodukte
Elektronik und IT-Geräte
Textilien und Schuhe (Vernichtungsverbot für unverkaufte Ware gilt ab 07/2026 für Großunternehmen!)
Möbel
Reifen
Waschmittel und chemische Produkte
Die Verordnung trat 2024 in Kraft, die konkreten Anforderungen werden schrittweise über produktspezifische Durchführungsrechtsakte definiert. Die ESPR ist darauf ausgelegt, physische Produkte insgesamt nachhaltiger zu gestalten und so Ressourcenverschwendung und unnötigen Emissionen vorzubeugen. Im Fokus stehen somit Langlebigkeit, Recyclingfähigkeit, Wartungs- und Reparaturfreundlichkeit, Verwendung von Recyclingmaterial, Vermeidung von Abfall und eine verbesserte Energieeffizienz.
Welche Pflichten entstehen?
Kernstück ist der Digitale Produktpass (DPP), der Informationen zur Nachhaltigkeit bereitstellt. Dazu gehören unter anderem Materialzusammensetzung und -ursprung, Reparierbarkeit, Recyclingfähigkeit und – besonders relevant – Umweltdaten über den gesamten Lebenszyklus. Hier werden LCA-Ergebnisse zur Währung, mit der Produkte ihre Marktzulassung verdienen.
Noch ist nicht eindeutig definiert, welche Form der DPP genau annehmen wird. Eines ist jedoch klar: LCA-Daten werden Bestandteil des Passes sein. Der DPP soll für verschiedene Produktgruppen nach und nach eingeführt werden. Teilweise treten auch DPP-Forderungen im Rahmen anderer EU-Verordnungen in Kraft, die sich inhaltlich mit der ESPR überschneiden. Das Paradebeispiel hierfür ist der Battery Passport nach EU-Batterieverordnung, der für bestimmte Industrie- und Fahrzeugbatterien ab 2026 gelten soll. Ähnliche Verordnungen wird es für Spielzeuge, Bauprodukte und Detergenzien (Reinigungsmittel) geben.
Wie CompriseTec unterstützt:
Die ESPR verlangt nach produktbezogenen Umweltwirkungsdaten. Kernstück ist also auch hier eine LCA. Wir liefern die notwendigen Lebenszyklusdaten für Ihren Digitalen Produktpass. Dank unserer Expertise in der Produktentwicklung verstehen wir technische Details und können auch komplexe Fertigungsprozesse präzise abbilden.
Empowering Consumers Directive:
Greenwashing wird teuer
Was soll die Empowering Consumers Directive bewirken?
Die Empowering Consumers Directive, kurz „EmpCo“ ist die Reaktion auf die Tatsache, dass viele umweltbezogene Aussagen für am Markt befindliche Produkte oder Dienstleistungen mindestens irreführend, unzureichend belegt oder gar grundlegend falsch sind. Aussagen wie „klimaneutral“, „bioabbaubar“, „umweltfreundlich“ oder „100 % recyclingfähig“ werden häufig für Werbezwecke genutzt, sind dabei aber selten mit Zahlen belegt täuschen die Verbraucher dabei oft erheblich. Es geht hier konkret um B2C-Claims, also Aussagen, die vom Unternehmen an den Endverbraucher gerichtet sind.
Wen betrifft EmpCo?
Die Direktive betrifft alle Unternehmen, die an Endkunden gerichtete Umwelt- oder Nachhaltigkeitsaussagen über ihre Produkte treffen – also praktisch jeden Hersteller und Händler in der EU. EmpCo wurde bereits verabschiedet und soll ab dem 27.09.2026 gelten. Nationale Gesetzgeber müssen die Regulierung bis März 2026 umsetzen.
Welche Pflichten entstehen?
Umweltbezogene Werbeaussagen müssen substanziiert und nachweisbar sein. Vage Behauptungen wie "klimaneutral", "umweltfreundlich" oder "nachhaltig" sind ohne wissenschaftliche Belege verboten. Verstöße können mit Bußgeldern geahndet werden. Wer CO₂-Einsparungen kommuniziert, muss diese durch methodisch saubere Berechnungen belegen können. Eine behauptete Klimaneutralität durch CO₂-Kompensation ist damit nicht mehr zulässig.
Wie CompriseTec unterstützt:
Umweltbezogene Aussagen müssen auf wissenschaftlich belegten Zahlen fußen. Das heißt: An einer Ökobilanz oder einem Carbon Footprint kommt man hier nicht vorbei.
Wir erstellen Ökobilanzen und Carbon Footprints nach internationalen Standards (ISO 14040/44, ISO 14067). Die Umweltauswirkungen sind damit umfassend und transparent dokumentiert und können jederzeit externen Audits standhalten. Damit schützen Sie sich vor Greenwashing-Vorwürfen und können Ihre Nachhaltigkeitsleistungen glaubwürdig kommunizieren – egal, ob auf Produktverpackungen, in Werbekampagnen oder in Kundengesprächen.
Jetzt handeln: Warum Vorbereitung entscheidend ist
Die neuen Regulierungen mögen komplex erscheinen, aber sie haben einen gemeinsamen Nenner: fundierte Umweltdaten werden unverzichtbar. Selbst, wenn die Regulierungen Sie heute noch nicht betreffen: Ein Product Carbon Footprint oder eine LCA verschafft Ihnen nicht nur die Grundlage für die Erfüllung der Regulierungen, sondern auch einen zeitlichen Vorsprung und damit strategische Vorteile:
Wettbewerb: Frühzeitige Transparenz überzeugt anspruchsvolle Kunden
Kostenersparnis: Hotspot-Analysen zeigen Einsparpotenziale in Material und Energie
Rechtssicherheit: Vermeidung von Bußgeldern und Reputationsschäden
Zukunftssicherheit: Legen Sie jetzt den Grundstein für zukünftige Compliance-Anforderungen und vermeiden Sie unnötige Hektik
CompriseTec
Als Ingenieurbüro mit 18 Jahren Erfahrung erkennen und verstehen wir schnell die technischen Details Ihrer Produkte. Ob Product Carbon Footprint, vollständige Ökobilanz oder Corporate Carbon Footprint – wir liefern Ihnen die Datengrundlage für alle aktuellen und kommenden Regulierungen.
Unsere Services im Überblick:
Product Carbon Footprint (PCF) nach ISO 14067
Vollständige Ökobilanz (LCA) nach ISO 14040/44
Corporate Carbon Footprint (CCF) nach ISO 14064 und GHG Protocol
Environmental Product Declarations (EPD) nach EN 15804
Starten Sie jetzt: Vereinbaren Sie eine kostenlose Erstberatung und erfahren Sie, welche Schritte für Ihr Unternehmen sinnvoll sind. Wir analysieren Ihre Situation, klären regulatorische Anforderungen und erstellen einen individuellen Fahrplan.
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Telefon: +49 (0)40 609 455 29-0
E-Mail: lca@comprisetec.de
Hinweis: Dieser Artikel gibt den Stand der Regulierungen nach unseren Erkenntnissen zum März 2026 wieder. Konkrete Anforderungen können sich durch nachfolgende Durchführungsrechtsakte ändern. Wir empfehlen eine individuelle Beratung für Ihr Unternehmen.