LCA vs. PCF: Ökobilanz oder Product Carbon Footprint?
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Bei der Beauftragung von Umweltwirkungsanalysen stehen viele Unternehmen der Frage gegenüber, ob ein Product Carbon Footprint ausreicht, oder ob eine vollständige Ökobilanz notwendig ist. Wir erklären, welcher Ansatz für welche Anforderungen der Passende ist und wieso die Entscheidung eigentlich gar nicht so kritisch ist, wie man denkt.
Was ist der Unterschied zwischen Product Carbon Footprint und Ökobilanz?
Nachhaltigkeit ist in aller Munde - Gesellschaft, Politik und Wirtschaft verlangen immer öfter nach faktenbasierten Darstellungen der Umweltauswirkungen von Produkten. Dabei sind zwei Werkzeuge besonders im Vordergrund: CO2-Fußabdrücke (Product Carbon Footprints, PCF) und Ökobilanzen (LCA).
Im Kern unterscheiden sich beide Analysen nur im Umfang der untersuchten Wirkungskategorien. Während ein Product Carbon Footprint ausschließlich die Auswirkungen auf das Klima infolge von Treibhausgasemissionen untersucht, betrachtet eine Ökobilanz sämtliche relevante Umweltwirkungsfelder. Dazu gehören neben den Treibhausgasemissionen auch Effekte wie übermäßiger Nährstoffeintrag in Gewässer und Boden (Eutrophierung), Versauerung von Böden, Wasserverknappung, Ressourcenverbrauch und Effekte auf die menschliche Gesundheit durch Giftstoffe. Und damit ist die Liste noch nicht einmal vollständig.
Ein Product Carbon Footprint kann als ein Teil einer vollständigen Ökobilanz begriffen werden.
Ein Carbon Footprint wird in der Regel nach der ISO 14067 - Treibhausgase - Carbon Footprint von Produkten - Anforderungen an und Leitlinien für Quantifizierung berechnet und dokumentiert. Die Norm baut im Wesentlichen auf den beiden Standards für die Erstellung von Ökobilanzen auf, den ISO-Normen 14040 und 14044. Das heißt: Die grundlegenden Anforderungen an die Erstellung einer LCA und eines PCF sind gleich. Die ISO 14067 spezifiziert dann noch weitere Anforderungen an den Umfang und die Dokumentation der Berechnungen. Trotzdem kann ein Product Carbon Footprint als eine Art “erweiterter Ausschnitt” einer Ökobilanz betrachtet werden.
Wann ist ein Product Carbon Footprint sinnvoll, wann ist eine Ökobilanz sinnvoll?
Da ein PCF nur einen Ausschnitt der vollständigen Umweltauswirkungen abbildet, ist er streng genommen nicht dafür geeignet, um die Nachhaltigkeit eines Produktes wirklich zu verbessern. Betrachtet man nur einen kleinen Ausschnitt der Umweltwirkungen, kann dies bei der Verbesserung des Produkts in Puncto Nachhaltigkeit unbeabsichtigte negative Folgen haben. Ein Fokus auf die Treibhausgasemissionen bedeutet, dass Handlungsempfehlungen am Ende der Analyse sich einzig auf die Reduktion ebendieser Emissionen beziehen. Wird das Produkt oder dessen Herstellungsprozess dann so angepasst, dass der CO2-Fußabdruck sinkt, kann im selben Moment ein anderer Umweltwirkungsindikator unbemerkt in die Höhe schießen. Eine wirklich nachhaltige Produktanpassung ist so also nicht möglich. Schließlich gibt es kein Ranking, welche Umweltwirkungskategorie “wichtiger” ist als andere.
Aus diesem Grund ist ein PCF als vor allem als Erfassung des Status Quo sinnvoll. Gerade, wenn es um Reporting und die Bereitstellung von Umweltdaten für Lieferanten oder Kunden geht, ist der PCF ein nützliches Werkzeug. Supply Chain Tools wie CATENA-X aus der Automobilbranche bauen darauf, dass jedes Glied der Lieferkette einen Carbon Footprint für sein Produkt bereitstellt. Am Ende der Lieferkette ergibt sich so ein vollständiges Bild der Treibhausgasemissionen des Endprodukts (im Fall von CATENA-X also ein Fahrzeug).
Ähnlich sieht es bei Initiativen zum Digitalen Produktpass (DPP) aus. Im Zuge der Ecodesign for Sustainable Products Regulation (ESPR) sollen Umweltdaten in einem digital abrufbaren Produktpass erfasst werden. Auch hier liegt der Schwerpunkt zunächst auf den Treibhausgasemissionen. Da der Klimawandel ein so zentrales Thema in Medien und Politik ist, sind die CO2-Emissionen auch von Laien begreifbar.
Im Gegensatz dazu ist eine vollständige Ökobilanz eben genau das, was der Name aussagt: Vollständig. Hier werden keine Umweltwirkungskategorien ausgelassen oder bevorzugt. Stattdessen wird in der Analyse untersucht, welche Umweltbereiche besonders vom Produkt betroffen sind. Durch dieses ganzheitliche Bild ist dann auch eine nachhaltige Anpassung des Produkts möglich, bei der sichergestellt ist, dass eine Verbesserung in einem Bereich nicht gleichzeitig eine Verschlechterung in einem anderen Bereich verursacht.
LCA oder PCF? Die Entscheidung ist nicht so schwer, wie man denkt.
Welcher Ansatz ist der Richtige für mein Unternehmen?
Aus den bisherigen Erklärungen sollte jetzt klar sein, dass ein PCF ein etwas weiter spezifizierter Teil einer Ökobilanz ist. Schließlich werden im Rahmen einer LCA auch immer die Treibhausgasemissionen erfasst. Das heißt: Wenn man für ein Produkt eine LCA erstellt, dann steckt der Großteil eines PCF bereits in dieser LCA. Auch der zeitliche und damit finanzielle Aufwand unterscheidet sich zwischen einer LCA und einem PCF nicht wesentlich. Denn: in beiden Fällen müssen eine komplette Sachbilanz und ein umfangreicher Bericht erstellt werden. Insofern ist es also durchaus sinnvoll, direkt eine vollständige LCA zu beauftragen. Wenn dann Kunden oder Lieferanten einen konkreten PCF für ein Produkt benötigen, ist der Weg von der LCA zum PCF nicht mehr weit.
CompriseTec unterstützt Sie in beiden Fällen:
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