Ökobilanzen für KMU - Einstieg, Kosten, Nutzen
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Ökobilanzen sind für viele kleinere und mittlere Unternehmen noch Neuland. Wir zeigen Ihnen, wie der Einstieg gelingt und welche Kosten und Nutzen auf Sie zukommen.
Wenn Sie diesen Artikel lesen, dann arbeiten Sie möglicherweise für ein kleines oder mittelständisches Unternehmen und sind beauftragt worden, die Umweltauswirkungen Ihrer Produkte in irgendeiner Form mit Zahlen zu versehen. Womöglich sind Sie Product Owner oder der/die Nachhaltigkeitsbeauftragte, sind in dieser Position aber noch recht neu und haben nun eine wahre Mammutaufgabe vor sich. Genau dieses Bild zeigt sich uns häufig in letzter Zeit, wenn wir Anfragen für unsere LCA-Services bekommen.
Es kann gut sein, dass Ihr Unternehmen noch gar nicht “gezwungen” ist, derartige Zahlen zu liefern. Bei größeren Unternehmen sieht das schon anders aus: Berichtspflichten von Seiten der EU wie CSRD oder ESG sind hier schon seit einigen Jahren Standard. Großunternehmen haben ganze Abteilungen, die sich tagtäglich nur mit diesem Thema beschäftigen. Bei kleineren und mittleren Unternehmen sieht die Situation häufig anders aus. Hier kommt der Druck eher vom Wettbewerb oder eben von Kunden, die bereits von Nachhaltigkeitsnachweisen betroffen sind und die Fackel nun an ihre Lieferanten weiterreichen.
In diesem Fall ist es ratsam, sich mithilfe eines professionellen Anbieters für Ökobilanzen einen Überblick zu verschaffen. Oft verhält es sich so, dass viele verschiedene Vorgaben von Kunden oder Behörden mit einer einzigen Lösung beantwortet werden können: Sie müssen eine Ökobilanz durchführen.
Ökobilanz selber erstellen oder outsourcen?
Eine derartige Berechnung der Umweltauswirkungen ist nicht trivial und setzt Fachwissen und Erfahrung voraus. Zu Beginn sollten Sie sich daher folgende Fragen stellen:
Können und wollen Sie die nötigen Berechnungen verlässlich in Eigenregie durchführen?
Sind Sie bereit, Ihr Personal dafür unter Zeit- und Kostenaufwand schulen zu lassen und entsprechende Software und Datenbanken zu beschaffen?
Wenn Sie beide Fragen mit “Ja” beantworten, ist zunächst etwas Vorarbeit nötig. Um die Umweltwirkungen Ihrer Produkte überhaupt erfassen zu können, ist eine möglichst gute Datenbasis unabdingbar. Interne Produktionsdaten und Lieferanteninformationen müssen genauso nachvollzogen werden wie die Logistikkette mindestens bis zum eigenen Fabriktor. Diese “Fleißarbeit” ist auch dann nötig, wenn die restliche LCA-Berechnung extern durchgeführt wird. Soll dies aber intern erfolgen, geht nach diesem Schritt die eigentliche Detailarbeit los.
Die erste und wichtigste Frage ist: Welche Software und welche Datenbank(en) werden beschafft, um die LCA selber durchzuführen? Hier gibt es zahlreiche Möglichkeiten, die jede für sich bestimmte Vor- und Nachteile mit sich bringen. Die eine Software ist möglicherweise recht einfach zu bedienen, dafür fehlt es ihr an Einstellungsmöglichkeiten im Detail. Bei einer anderen Software lassen sich vielleicht Datenbankprozesse bis ins kleinste Element anpassen, dafür setzt die sichere Bedienung der Software eine intensive Einarbeitung voraus. Letztlich unterscheiden sich die verfügbaren Lösungen dann auch noch hinsichtlich Lizensierung und Preisgestaltung.
Ist die Entscheidung für eine Software gefallen, müssen Mitarbeiter in der Bedienung geschult werden, bevor belastbare Bilanzen erstellt werden können. Für manche Unternehmen kann dies der richtige Schritt sein. Bei anderen sind möglicherweise nicht die notwendigen personellen Ressourcen verfügbar.
Wie gelingt der Einstieg in die Welt der LCA?
Falls die Antwort auf beide Fragen “Nein” lautet, ist der folgerichtige Schritt, sich professionell beraten zu lassen. Auch hier gibt es viele Wege, die zum Ziel führen. Als idealen Einstieg bietet CompriseTec Grundlagenschulungen und Workshops in Kombination mit einer Screening-LCA für ein beispielhaftes Produkt an. Mit diesem einfachen, aber effektiven Schritt verschaffen Sie sich ein ausreichendes Grundlagenwissen, um in der Welt der Nachhaltigkeitsberechnungen zu navigieren, und Sie bekommen bereits eine erste LCA für eines Ihrer Produkte. Es ist wahrscheinlich, dass Umweltanalysen und Nachhaltigkeitsberechnungen in Zukunft eine größere Rolle spielen werden. Deshalb ist es ratsam, sich frühzeitig mit dem Themenfeld zu beschäftigen.
Welche Kosten entstehen für mein Unternehmen für eine LCA?
Einen solchen Workshop inklusive Screening-LCA bieten wir bereits ab 2.000 € an. Der konkrete Preis hängt von der Komplexität des Beispielprodukts ab. Eine Screening-LCA ohne Schulung ist für einfache Produkte, bei denen wenig Hintergrundrecherche nötig ist, bereits ab 1000 € erhältlich.
Für die Erstellung einer vollständigen LCA lassen sich die Kosten schwieriger beziffern. Hier hängt der Preis auch davon ab, wie viel Vorarbeit in Ihrem Unternehmen stattfindet. Ein zeitintensiver Bestandteil bei der Erstellung einer LCA ist die Erfassung des Ist-Zustandes, also die strukturierte Abbildung des Produkts in seiner Zusammensetzung inklusive der vorgelagerten Lieferantenprozesse. Wenn Sie bereits über ein gut strukturiertes ERP- bzw. PDM-System verfügen, aus dem Sie diese Informationen (meist in Form einer Stückliste in Kombination mit Prozessbeschreibungen) mit einem Mausklick extrahieren können, ist der wesentliche Teil der Arbeit bereits erledigt. Ist dies nicht der Fall, wird die Strukturierung der Daten eher beim Ersteller der LCA - also bei CompriseTec - liegen. Damit sind logischerweise höhere Kosten verbunden. Je nach Komplexität des Produkts fallen die Arbeitskosten für die Berechnung der LCA dann entsprechend unterschiedlich aus. Unserer Erfahrung nach können die Kosten für eine vollständige LCA je nach Komplexität zwischen 6000 € und 25000 € liegen. (Ausnahmen in die eine oder andere Richtung gibt es natürlich immer!)
Komplexität entscheidet über Kosten
Ein Produkt aus 100 verschiedenen Einzelteilen von 50 unterschiedlichen Lieferanten, das in 20 Varianten angeboten wird, ist schwieriger zu bilanzieren als ein Produkt, das aus 5 Materialien besteht und in einem hauseigenen Prozess hergestellt wird. Die Darstellung der Ergebnisse beeinflusst ebenfalls die Kosten für die LCA. Ein normgerechter Projektbericht nach ISO 14044 kann sehr umfangreich werden und schnell über 50 Seiten umfassen, bietet aber auch eine optimale Grundlage für zukünftige Updates und mögliche Prüfungen durch Dritte. Soll dann tatsächlich eine externe kritische Prüfung der LCA stattfinden, erhöht das die Kosten weiter. Gleichzeitig steigt hier aber auch die Sicherheit für den Kunden, denn eine kritisch geprüfte, normgerechte LCA darf für Compliance- oder Werbezwecke genutzt werden, eine oberflächlich dokumentierte Analyse dagegen nicht.
Welchen Nutzen hat eine LCA für mein Unternehmen?
Ebenso wichtig wie die Frage nach den Kosten ist der zu erwartende Nutzen für Ihr Unternehmen. Neben dem offensichtlichen Vorteil, die LCA als Marketinginstrument nutzen zu können, gibt es einen weiteren, weniger sichtbaren Faktor. Momentan schrecken viele Unternehmen noch von der Beauftragung eines LCA-Dienstleisters zurück, weil die LCA als reine finanzielle Last begriffen wird. Dabei wird oft unterschätzt, welche Wettbewerbsvorteile sich durch eine sachgerecht erstellte LCA ergeben. Hier geht es nicht darum, Werbung mit einem nachhaltigen Produkt zu machen, sondern als Lieferant weiterhin sichtbar und qualifiziert zu bleiben.
Wie oben bereits erwähnt, sind es primär die kleinen und mittleren Unternehmen, die selber noch nicht von regulatorischen Nachweispflichten betroffen sind. Genau diese Unternehmen sind aber häufig Bestandteil der Lieferkette für größere Unternehmen, die als OEM oder TIER1-Supplier agieren. Diese Unternehmen sind in vielen Fällen bereits zu Nachweisen der Umweltwirkungen verpflichtet, und sie sind diejenigen, die als erstes von weiteren Verschärfungen der Berichtspflichten getroffen werden.
Horizontaler und vertikaler Druck veranlasst Unternehmen, Umweltdaten zu generieren.
Frühzeitiges Engagement zahlt sich später aus
In Zukunft werden sich diese Nachweispflichten auf die vorgelagerte Lieferkette ausweiten. Genau dann fällt der Hammer bei den kleinen und mittleren Unternehmen. Ist man hier nicht vorbereitet, können die Konsequenzen massiv sein. Dann geht es nicht mehr alleinig darum, das qualitativ beste Produkt zum attraktivsten Preis anzubieten. Ohne Nachweis der Umweltauswirkungen fällt man als Lieferant schlichtweg durchs Raster. Das politische Ziel ist ganz klar, die Umweltwirkungen entlang der gesamten Lieferkette nachvollziehbar zu machen. Dieser Ansatz spiegelt einen Grundgedanken der LCA wider: Nur, wenn die Konsequenzen für die Umwelt ganzheitlich betrachtet werden, können zielgerichtete Verbesserungen erreicht werden.
Sind noch Fragen offen? Dann vereinbaren Sie mit uns eine kostenlose Erstberatung und wir entscheiden gemeinsam mit Ihnen, welcher Weg der richtige ist.